Deutschlehrer oder Prüfungstrainer, in Ghana kann das einem gleichgültig sein.

Von Hayford A. Anyidoho

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In Ghana gilt, der Deutschlernende müsste nach 144 Unterrichtseinheiten (144x 45 Minuten) das Goethe-Zertifikat A1 schreiben und etwas Deutsch sprechen können. In Ghana werden im Alltag über 40 verschiedene Sprachen gesprochen. So steht dem Deutschlernenden außer den Kursräumen kaum die Möglichkeit, das wenigste Deutsch (besonders das Sprechen) zu üben. Die Erfahrung hat gezeigt, die meisten schaffen zwar das Goethe-Zertifikat A1, doch ihnen fällt das Sprechen nur schwer.

In Deutschland auf der anderen Seite , wo überall Deutsch gesprochen wird bzw. gesprochen werden müsste, ist von einem Integrationskursteilnehmenden erwartet, dass er erst nach 300 Unterrichtseinheiten (300×45 Minuten) das A1-Niveau nachweist.

So muss sich der arme ghanaische Deutschlehrer in Ghana alle Mühe geben, so dass der Kunde (Deutschlerner) sein Ziel erreicht (das Goethe-Zertifikat A1). Ob er etwas Deutsch sprechen kann oder nicht, dies spielt wenig eine Rolle. Man muss nicht die Augen vor der Wahrheit (Realität) verschließen. Das wäre zu viel verlangen von den Menschen, die sich schon im Alltag mit allerlei Herausforderungen konfrontiert sind.

Und der arme Deutschlehrer, der kann sich kaum Anerkennung gönnen von seinen Chefs, die sich unzufrieden geben und die fleißige Lehrkraft auf einen schier unbekümmerten Prüfungstrainer reduzieren, welcher immerhin dessen bewusst ist, dass man mehr Kunden erwürbe, nur, wenn man sich anstrengen würde, mit ihnen Schritt zu halten (wer so viel Geld in einen Deutschkurs investiert hat, und nur mit einem Zertifikat rechnet, welches ihm alle Türen offenhält, der ist auch im Endeffekt stolz darauf, die deutsche Prüfung bestanden zu haben. Nur dadurch hat er sein Ziel erreicht. Und dies kommt vor allen anderen Zielen. Eine Belohnung für seine finanziellen Leistungen. Eine deutsche Prüfung zu bestehen, das kann jedenfalls nicht jedermann in Ghana, ganz zu schweigen von denen in Deutschland, denen dies der höchsten Herausforderung gleichkommt, obgleich seit längerem in Deutschland wohnhaft).

 Eine deutsche Prüfung bestehen und Deutsch sprechen sind zweierlei. Es ist schon oft vorgekommen, dass viele sowohl das eine, als auch das andere Ziel haben erreichen können. Dies natürlich durch Fleiß und Verschlossenheit. Wie bedeutsam der Beitrag des ein und desselben Deutschlehrers in beiden Fällen gewesen ist, das weiß der ehrliche Lerner zu schätzen. So vermag der Erstere mangels Anerkennung des Arbeitsgebers doch ein Ehrgefühl an den Tag zu legen.

Man kann das drehen und wenden, wie man will; Fazit ist, der ghanaische Deutschlehrende verdient alle Würdigung für seinen Beitrag als kultureller Dolmetscher, sei es bescheiden oder nicht.

4 comments

  1. Schade, dass es keine Lösung dafür gibt. Wir machen trotzdem alles mögliche , damit unsere KTN am Ende etwas Deutsch sprechen können. Ob das genug ist, kann ich nicht sagen.

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  2. Ich habe nie gewusst, dass man so viele Unterrichtseinheiten erreicht, bevor man die Prüfung schreiben könnte. Zwar ist man glücklicherweise auch gut belohnt.Hier sind wir machtlos. Schade, dass es so ist.

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