Die Zeiten der Milchseen und Butterberge sind vorbei. – Nun geht’s um die Wurst!


Milchseen und Butterberge: Ein Rückblick auf die Agrarpolitik der EU

Hayford A. Anyidoho

In den frühen 1980er Jahren zeigte sich ein ungewöhnliches Phänomen in der Europäischen Union: die Entstehung der sogenannten Milchseen und Butterberge. Diese bildlichen Ausdrücke beschreiben die enormen Überschüsse an Milch und Butter, die sich aus der damaligen Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft (EG) ergaben.

Die Wurzeln dieses Phänomens lagen in der steigenden Produktivität der Landwirtschaft. Bauern produzierten mehr Milch und Butter als der Markt aufnehmen konnte. Die EG, bemüht um das Wohl ihrer Landwirte, kaufte die Überschussmengen zum Garantiepreis auf. Diese Strategie führte zu massiven Lagerbeständen, die als “Milchseen” und “Butterberge” in die Geschichte eingingen.

Die Situation führte 1984 zur Einführung einer Milchquotenregelung. Ziel war es, das Überangebot einzudämmen und den Marktpreis zu stabilisieren, um so die Einkommen der Landwirte zu sichern. Diese Regelung blieb bis zum 1. April 2015 in Kraft, als sie schließlich abgeschafft wurde. Diese Abschaffung löste Protestaktionen der Milchbauern aus, unter anderem in Wien, wo vor dem Haus der Europäischen Union symbolisch ein „Milchsee“ aufgebaut wurde.

Die Gemeinsame Agrarpolitik bleibt ein zentraler Bestandteil der EU-Politik. Obwohl die Ausgaben im Laufe der Jahre gesunken sind, bildet sie nach wie vor einen erheblichen Anteil des EU-Haushalts und bleibt damit ein finanziell und politisch bedeutendes Feld.

Quellen:

Milchseen und Butterberge

https://www.politik-lexikon.at/oesterreich1918plus/1984/

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